Texte (Lyrik)

 

"Dass man die größten Wunder zu Hause erlebt, lernt man erst in der 
Fremde." (Wilhelm Raabe, Alte Nester).

redensart 

fremde zeichen&wunder herzen

weniger wanderpunkte aber

grenzen an was wunder man lernt

nie aus z.b. komm du mir nach

hause und erlebe deine blauen

wunder:baren morgen

hier

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für STEPHANundVERENA 

sonnenschloss walbeck 

um die sonne ein himmel

reich

an gerupftem geriffeltem

schleierweiß

franst die blaulöcher

die wetterfahne derer von 

1765

quietscht über den kollektoren

2013

wird vergehendes gesammelt für

zukünftiges

bleibt verdunkelt vor dem barden

- es wird nacht - 

von böllern begrüßt

& der lyra

digital

sang woltähr im kuhstall auch

salonfähig

trinken wir zusammen 

auf abgelaufenem parkett stampfen

wir

schaffen zusammen

wir

TROTZEN

(mit super8 geistern und unzählbaren im schloss)

!so ein durst! dem tod

woltährs

& unser aller seelen

Ab

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Sommermorgenmosaik  

Stockrosenkelche suchen etwas zum Verschlucken,

während der Frauenmantel sein Schweigen blüht.

Unterm Busch schmilzt Jasminschnee

und schwarze Susannenaugen gucken

Goldfelberichblütenspitzen zu,

wie die sich gelb ins Grüne stechen. Es summt so voll im Klee.

Pralle Lilien halten ihr Gebären noch zurück,

dort stirbt früh ein Rot.

Getreidefelder kochen, dampfen riechbereit.

Auf jedem Grashalm schimmert Glück.

Ich bin verhüllt.

Mein Herz ist weit.

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Passage 

Wenn alles vorüber ist,

heute gültiger als gestern,

vorüber,

der Geruch nach Januar im Treppenhaus,           

Pausenbrot in knisterndem Papier,           

die Wucht einer Geburt

und auch sämtliche Zahlen:

19 / 118 / 14394

ein jeder 24. Dezember,

die dritte Welt und das second life,

eine vorübergehende Täuschung,

der erreichbare Tod des Todes

und kleine und große Frieden,

erst recht die Zeit

mit der gewissen Hoffnung,

dass nichts endet, lediglich passiert,

vorüber auch

die ungeheuer weißen Schwäne und

Holunderblütenverse aus dem Honigmund,

die Gedanken um Gott,

so oder so nicht zu begreifen,

das Fußballspiel am Nachmittag,

das Hurra von Siegen, das Wehen jedweder Fahnen,

der Gleichmut der Rinnsteine,

unbewahrbar

die schon fahl umschlafenen Tulpen auf dem Tisch,

das Blau,

vorüber,        

das Kind,

das galoppierend seiner Wege springt,

Held auf einem bedeutenden Rappen,                     

einmal im Leben war ich heldenhaft, als kleines Mädchen,

wenn dieser Satz vorüber ist,

und eine Täuschung: Irrtümer seien künftig zu entlarven –         

ich erinnerte mich doch an.

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Mond                                                                                                

Die Nacht riecht nach altem Eis.      

Schornsteine stochern darin.

Hölzern greifen Januarskelette ins Schwarz.

Mehr als mancher Stern

Sticht der Farbton eines unerkannten Vogels.

Rundherum senken Laternen ihre Köpfe.

In ihren Schläfen pocht es stark.

Der Mond ist in die geräumigen Taschen

des Himmels gefallen

Ach, unter seine Haut kriechen                                                                                            

Und in neumondgestörter Nacht                                                                           

Scheinbar illuminieren  

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Einen Hauch von Sommer lang

durfte ich dich lieben,

als sollte es für immer sein.

Einen Sommer, der im Mai begann

an einem blanken See.

Im früh geliehnen Sonnenschein

 

tauschten wir Geschichten aus,

in denen du ein Prinz

ich nicht zu retten war.

Die Wolken hatten uns voraus

sich zu berühren, leicht nur, sacht.

Du fuhrst mir niemals durch mein Haar,

 

ich sah bloß hin zu deinem Mund,

und ohne Kuss,

fielst du in Juliräume.

Aus aufbrechendem Grund

zogst du mein Innerstes mit dir.

Wie Wind endlich in Bäume

 

stürmt und ihnen ihres nimmt,

so plünderten wir uns,

entbehrten doch den Herbstvergleich: 

Ich ließ mich bestimmt

von dir berauben,

ich wurde dabei reich.

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                  blaue

                     wunder      

 

   trägt die welt

     meinen fuß

   zieht mein haus

aus seinen wänden                     

 

                  fußt   ein  loch

                  in der wand

                  fällt    die   welt

                  in  mein haus

 

                                haust mein fuß

                                 in  meiner welt

                                 stellt  die wand

                                                     mir

                                                        ein

                                                       bein

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